Alkohol und Diabetes

Der österreichische Schriftsteller Egon Friedell bemerkte einst treffend: "Der Alkohol ist ein Gift, das haben die Physiologen bewiesen. Aber gegen den Alkohol ist damit gar nichts bewiesen, denn ein Gift kann immer auch eine Medizin sein." Durchaus korrekt bemerkt, wobei die Betonung auf dem Wörtchen "kann" liegten sollte. Dass Alkohol der Gesundheit nachweislich zuträglich sein kann, wurde in der so genannten Zutphen-Studie festgestellt. An dieser Langzeitstudie, die im 1960 begann und zur Jahrtausendwende endete, nahmen knapp 1400 Probanden der Geburtsjahrgänge 1900 - 1920 teil. Eines der Resultate war die Erkenntnis, dass Langzeitkonsum von 20g Alkohol oder weniger pro Tag im Gegensatz zur Abstinenz zu einem um 30 Prozent verringerten Risiko einer Herz/Kreislauferkrankung führt . Die Lebenserwartung von Weintrinkern erhöhte sich im Schnitt sogar um beachtliche 5 Jahre.

Ein Ergebnis also ganz im Sinne von Egon Friedell. Doch sollte man hierzu sicher auch andere kluge Köpfe zu Wort kommen lassen, wie zb. Paracelsus, der einst richtig bemerkte: "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; alleine die Dosis macht es, dass ein Ding kein Gift sei." Tatsächlich ist unbestritten, dass der Langzeitkonsum von größeren Mengen Alkohol schwere Schäden hervorrufen kann. Noch etwas eindeutiger sieht die Lage aus, wenn bereits eine Erkrankung vorliegt. Der Körper wird duch die Verarbeitung des Alkohols einer Doppelbelastung ausgesetzt, außer dem kann es Wechselwirkungen mit der Krankheit, sowie den notwendigen Medikamenten geben. Ein besonderes Augenmerk gilt Wechselwirkung zwischen Alkohol und Diabetes gelten, da heute  eine zunehmende Anzahl von Personen von Diabetes betroffen ist. Dass Diabetiker überhaupt keinen Alkohol trinken sollten, gilt seit längerer Zeit als überholt. Allerdings sollten Diabetiker beim Genuss von Alkohol bedenken, das ein zu sorgloser Umgang unter Umständen sogar zum Tod führen kann.

Grundsätzlich wird Alkohol vom Körper wie ein Gift behandelt - nämlich mit Vorrang. Die Leber bevorratet Zucker, um diesen in Notsituationen ausschütten zu können. Da sie aber nach Alkoholkonsum mit Entgiften beschäftigt ist, kann sie dieser Funktion nicht mehr nachkommen, das heißt bei einer Unterzuckerung stehen keine Zuckerreserven aus der Leber zur Verfügung. Die Symptome einer akuten Unterzuckerung, die nach langjährigem Diabetes immer schlechter zu bemerken sind, äußern sich in Schwindel, Tunnelblick und Verwirrtheit, sind also den Symptomen von zu hohem Alkoholgenuss sehr ähnlich. Aus diesem Grund werden sie unter Alkoholeinfluss schlechter vom Diabetiker oder eventuellen Begleitpersonen bemerkt.

Ein weiteres Problem ist, dass alle Medikamente von der Leber verwertet werden - und dazu gehören eben auch Sulfonylharnstoffe mit denen Typ 2 Diabetiker behandelt werden und Insulin, welches zur Behandlung von Typ 1 Diabetikern dient. Diese Medikamente werden ebenfalls auf die Warteliste gesetzt, so das eine erhebliche Verzögerung der Wirkung eintreten kann. Wenn jetzt Alkohol getrunken wird, ohne zu langanhaltende Kohlehydrate zu essen, kann es zu einer nächtlichen Unterzuckerung kommen. Werden die Symptome verschlafen, weil noch Restalkohol vorhanden ist, kann der Blutzucker unter diesen Umständen in lebensbedrohliche Bereiche absinken. Aus diesen Gründen sollten Diabetiker immer wenn es zum geselligen Beisammen sein am Stammtisch, auf der Party oder im Restaurant geht alle notwendigen Utensilien zur Blutzuckermessung bei sich führen. Vermieden werden sollte auf jeden Fall ein zu hoher Konsum von Alkohol, um zuverlässig auf jede auftretenden Unterzuckerung reagieren zu können. Übergewichtige Typ-2-Diabetiker sollten außerdem die Alkoholmenge sorgfältig abwägen, da Alkohol durchaus signifikante Mengen an Kohlenhydraten enthalten kann. Auf jedem Fall vermieden werden sollten Liköre, welche zum Teil nbeträchtliche Mengen an Zucker enthalten können. Wenn nach deren Genuss ein Überzucker entsteht und dagegen mit Insulin angespritzt werden muss, verstärkt sich die Gefahr einer nächtlichen Unterzuckerung noch einmal ganz erheblich.