Zuhause arbeiten

Am schönsten ist es daheim, das ist klar. Warum nicht also auch gleich dort etwas Geld dazuverdienen, oder einen Nebenjob abwickeln, oder gar eine Vollzeitarbeit ausüben. Anfahrten entfallen, und das spart Geld, Zeit und vor allem Nerven. Kaum jemand, dem es gibt wirklich Spass macht, sich bei schlechtem Wetter auf den Weg zur Arbeit zu machen, immer mit Blick auf die Uhr. Wer auf dem Weg zur Arbeit und zurück nur eine Stunde in öffentlichen Verkehrsmitteln sitzt oder steht, hat bereits nach einem Jahre ganze 2 Wochen seines Lebens so verbracht. Eingentlich ein klarer Fall, doch ganz so simpel ist es natürlich nicht. Ein seriöse und lukrative Beschäftigung, bequem in den eigenen vier Wänden ausführbar, ist ein Traumjob. Unzählige Zeitungsannoncen versuchen aus diesem Traum Kapital zu schlagen und locken mit perfekt klingenden Angeboten, die sich schon nach kurzer Zeit als Verkaufsmaschen oder Vertragsfallen entpuppen. Man muss die Spreu vom Weizen trennen, muss wissen was man will und zielstrebig darauf hinarbeiten. Neben dem üblichen gesunden Schuss Mißtrauen ist hier auch möglichts Hintergrundwissen von Vorteil.

Was beispielweise Tätigkeiten für Call Center angeht, muss zunächst grundsätzlich zwischen so gennannten Inbound- und Outbound-Calls unterschieden werden. Inbound bedeutet, dass man von den Kunden seines Arbeitgebers angerufen wird, etwa im Rahmen von Hotlines oder Infodiensten. Bei Outbound Calls ruft man von sich aus bei Menschen an, vorwiegend mit zu Werbe- und Verkaufszielen, gelegentlich auch für Umfragen. Beide Varianten sind harte Arbeit und erfordern ein dickes Fell, von der psychologischen Ausgangslage jedoch sind sie grundverschieden. Bei Inbound Calls sind die Anrufer aktiv interessiert und haben spezifische Fragen oder Beschwerden. Bei Outbound ist dies, wie wir ais eigener Erfahrung wissen, wenn wir selbst Werbeanrufe erhalten, ganz anders gelagert - die Mehrheit der kontaktierten Personen legt einfach auf oder reagiert negativ. Die ideale Call Center Beschäftigung ist daher sicher "Inbound", dazu fachbezogen - und natürlich von zu Hause aus. Doch bei grösseren Call Centern sind solche Stellen mittlerweile kaum noch zu finden, da die Arbeitsumgebung für eingehende Anrufe in den letzten Jahren technisch anspruchsvoller und daher die Idee einer Auslagerung in Heimbüros von Mitarbeitern aus finanzieller Sicht unlukrativ geworden ist. Kleinere Call Center, die aktiv mit der Option zur Heimarbeit werben, sind dagegen nicht immer seriös.

Was die Zahl der von zu Hause arbeitenden Beschäftigten von Call Centern angeht, lag Deutschland 2005 europaweit noch ganz vorn. Über 20 Prozent aller Mitarbeiter in deutschen Call Centern waren so genannte "Home Agents" (Umfrage: Interactive Intelligence Europe). Kostenersparnis stand dabei deutlich weniger im Vordergrund als das hohe Fachwissen der Beschäftigten und die Möglichkeit zu fliessenden Arbeitszeiten. Aktuellen Untersuchungen zufolge empfinden Verbraucher jedoch die offensichtliche Anonymität grosser Call Center und die oft damit verbundenen unzureichenden Möglichkeiten für Rückfragen immer häufiger als Billiglösung. Daher ist der Trend zur Nutzung von Call Centern im Kundendienstbereich in vielen Branchen mittlerweile rückläufig. Anfang 2012 stellte der Immobilienkonzern Deutsche Annington, der noch vor wenigen Jahren bei Kundenkontakten fast ausschliesslich auf Call Center setzte, wieder auf persönliche Ansprechpartner um und verdoppelte zu diesem Zweck sein Personal. Aber auch aus dieser Entwicklung ergeben sich für angehende Heimarbeiter/innen interessante Perspektiven: Ein pfiffiger Weg zum privaten Telefondienstleister ist beispielsweise, kleinere Handelsvertretungen oder Versicherungsagenturen in der lokalen Umgebung zu recherchieren und direkt anzusprechen. Kann man dazu noch praktische Erfahrung und Branchenkenntnisse vorweisen, stehen die Chance nicht schlecht.